Main-Spitze: E-Learning und Barrierefreiheit

Die Main-Spitze berichtet in ihrer Ausgabe vom 09. März 2012 über das Fachforum Barrierefreiheit der Hochschule RheinMain.

Hochschule RheinMain: Fachforum widmet sich dem ungehinderten Zugang zum Lernen am Computer

09.03.2012 - RÜSSELSHEIM

Von André Domes

Mit dem Internetzeitalter verändern sich auch die Lerngewohnheiten. Netzbasierte 'E-Learning'-Angebote machen die Wissensvermittlung standortunabhängig, transparent und jederzeit verfügbar. Eine schöne neue Bildungswelt, von deren Möglichkeiten aber längst nicht jeder profitieren kann.

Wer mit Sehschwäche, motorischen Einschränkungen oder anderen Behinderungen klarkommen muss, dem stellen sich auch im virtuellen Raum zahlreiche Hürden in den Weg. Diese loszuwerden oder zumindest zu entschärfen war Thema beim Fachforum Barrierefreiheit, das die Hochschule Rhein Main am Donnerstag ausrichtete.

Ein Schlüsselfaktor stellte sich während der zahlreichen Fachvorträge und Seitengespräche an Ständen von Fachfirmen als ganz besonders wesentlich heraus. Wer Lernportale, Datenbanken und Webauftritte barrierefrei gestalten will, der muss zuerst einmal für das Thema sensibilisiert sein. Wie schwer das sein kann, davon berichtete Marco Bohnsack, dessen Firma sich für die Entwicklung und Betreuung einer der führenden Softwareprodukte für Hochschulen verantwortlich zeichnet. "Jeder fand die Idee gut, aber machen wollte es erst mal keiner", erinnerte sich Bohnsack an die Reaktionen, als er und Vertreter der Gießener Liebig-Universität mit dem Wunsch nach Barrierefreiheit des Portals auf die Programmierer zukamen.

Eigenes Erleben sorgt für Betroffenheit

Als man den Entwicklern dann konkret vorführte, wie schwer behinderten Menschen schon das bloße Navigieren auf den Seiten fiel, kam plötzlich Betroffenheit auf und das riesige System wurde nach und nach umgebaut.

Auch die Organisatoren des öffentlichen Fachforums an der Hochschule RheinMain, die Hochschule ist übrigens selbst Nutzer des Computersystems, hatten einiges dafür getan, bei den Besuchern ein neues Bewusstsein zu schaffen. Leider hielt sich die Resonanz aus der Bevölkerung und Rüsselsheimer Institutionen in Grenzen, so dass die bereitgestellten Demonstrationsgeräte, ein Parcours zur Selbsterfahrung einer Sehschwäche und die Informationsstände den Tag über weitgehend nur von Fachleuten genutzt wurden.

Doch auch so erfüllte die Tagung durchaus ihren Zweck, wie Irina Schuh vom Organisationsteam erklärte: "Für viele Studenten hier könnte der Bereich Barrierefreiheit ein zukünftiges Arbeitsfeld darstellen und einige haben auch schon Kontakt zu Firmen geknüpft." Zudem zeige die Veranstaltung, dass die Hochschule sich dem Thema angenommen hat und die Voraussetzungen da sind, obwohl sich in Rüsselsheim zurzeit keine Studenten mit Behinderungen finden.

Quelle: http://www.main-spitze.de/region/ruesselsheim/11749112.htm